Proteomik-Pionier Ruedi Aebersold erhält einen der wichtigsten Medizinforschungspreise

Der emeritierte ETH-Professor Ruedi Aebersold erh?lt zusammen mit John Yates vom Scripps Research Institute in La Jolla, USA, und Matthias Mann vom Max-Planck-Institut Martinsried, Deutschland, den renommierten Canada Gairdner International Award. Die drei haben die moderne Proteomikforschung begründet und gepr?gt.

Ruedi Aebersold
Ruedi Aebersold hat das Fachgebiet der Proteomik mitbegründet und wird dafür mit einem renommierten Forschungspreis ausgezeichnet. (Bild: Tobias Bühler, madcom)

In Kürze 

  • Die Gairdner Foundation hat soeben die Preistr?ger der diesj?hrigen Canada Gairdner Awards bekannt gegeben.  
  • Unter den Geehrten ist der emeritierte ETH-Professor Ruedi Aebersold, der das Forschungsfeld der Proteomik aufgebaut und über Jahrzehnte gepr?gt hat. 
  • Die Preisfeier findet im kommenden Oktober in Toronto statt. 

Ruedi Aebersold, Matthias Mann und John Yates erhalten die Auszeichnung ?für die Schaffung der Grundlagen der modernen Proteomik durch bahnbrechende Innovationen in der quantitativen Proteinmessung, Massenspektrometrie und computergestützten Analyse?, schreibt die kanadische Gairdner-Stiftung in ihrer Pressemitteilung. 

Die drei Forscher l?sten drei miteinander verknüpfte Probleme: Wie man die vielen Proteine einer Zelle gleichzeitig messen kann, wie diese Messungen genau und zuverl?ssig werden und wie man die komplexen Daten biologisch interpretiert. Die Arbeit der drei Forscher erm?glicht es, Proteine – die Moleküle, die zentral für Zellfunktionen und wichtige Angriffspunkte vieler Medikamente sind –, umfassend zu untersuchen.  

Die Fortschritte der drei Forscher ver?nderten die biomedizinische Forschung und Medizin massiv. Proteomik ist heute entscheidend, um Krankheitsmechanismen zu verstehen, zum Beispiel bei Krebs, neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Infektionskrankheiten. Der Forschungszweig ist eine wichtige Grundlage für die personalisierte Medizin. 

Gel-freie Verfahren entwickelt 

Ruedi Aebersold gilt seit langem als einer der einflussreichsten Proteomik-Forscher weltweit. Seine gesamte Karriere hat er der Erforschung von Proteinen gewidmet, und er revolutionierte die Proteinanalyse.  

Früher trennten Forschende Proteine mithilfe von Polymer-Gelen in einem elektrischen Feld und identifizierten ein oder wenige Proteine mit langwierigen chemischen Verfahren. Aebersold entwickelte Gel-freie Verfahren, bei denen ein Massenspektrometrie-Ger?t viele Proteine gleichzeitig erfasst und identifiziert sowie ihre Konzentration pr?zise bestimmt.  

Damit machte Aebersold die Proteomik zu einer quantitativen Wissenschaft, die auch das Zusammenspiel vieler Proteine erkenntlich macht. So entwickelte der mittlerweile emeritierte ETH-Professor eine Reihe von Analyse‐Methoden und Computermodellen, mit deren Hilfe für alle Proteine in einer Probe die Identit?t, Quantit?t und gegenseitige Interaktionen analysiert werden k?nnen. 

Ruedi Aebersold und  Ludovic Gillet im Labor
Ruedi Aebersold l?sst sich in seinem ehemaligen Labor von Ludovic Gillet ein wichtiges Bestandteil eines Massenspektrometers zeigen. (Bild: Peter Rüegg / ETH Zürich)

Aus kleiner Gemeinschaft wurde grosses Gebiet 

?Die Auszeichnung ist eine grosse Ehre für mich und alle früheren Mitglieder meiner Forschungsgruppe?, betont der ehemalige ETH-Professor, der teilweise auch mit den beiden anderen Preistr?gern zusammengearbeitet hat – oder im Wettbewerb mit ihnen stand.  

?Dass der Preis an uns drei vergeben wird, unterstreicht, dass die Proteomikforschung zu Beginn eine kleine Gemeinschaft war, die das Gebiet durch Zusammenarbeit und Wettbewerb weiterentwickeln konnte. Ich sch?tze mich sehr glücklich, dass meine Laufbahn als junger Forscher gerade in die Zeit fiel, in der die Proteomik m?glich wurde und ich sie mitpr?gen konnte?, sagt Aebersold. 

Aebersolds Karriere begann mit einem Doktorat in Zellbiologie am Biozentrum der Universit?t Basel. Danach setzte er seine Laufbahn am Caltech, Pasadena, in den USA fort. Sp?ter zog er weiter an die University of British Columbia in Vancouver, Kanada und die University of Washington in Seattle, USA. Im Jahr 2000 begründete er zusammen mit Leroy Hood und Alan Aderem das Institut for Systems Biology in Seattle. 2004 kehrte er in die Schweiz zurück. Von 2005 bis 2020 war er Professor für Systembiologie der ETH Zürich und der Universit?t Zürich. 

Spin-offs wenden Methoden und Resultate an 

Die ETH bot ihm die Gelegenheit das Institut für Molekulare Systembiologie am Departement Biologie aufzubauen und darin bis zu seiner Emeritierung mit seiner Gruppe zu arbeiten. Auch danach blieb er seinem Forschungsgebiet treu und arbeitete unter anderem am Tumor-Profiler-Projekt, das mit molekularen und zellul?ren Analysen Therapien für Krebspatient:innen individuell abstimmt. Seinem Labor entsprangen zudem auch Spin-off-Unternehmen, darunter die Firmen Biognosys und Proteomedix, die in seinem Labor entwickelten Technologien und Resultate kommerziell nutzen und weiterentwickeln. 

Für seine Forschung wurde Aebersold mehrfach mit renommierten Preisen geehrt, darunter dem Otto Naegeli Preis, dem Paracelsus Preis, dem Marcel-Benoist Swiss Science Preis und den H.P.-Heineken-Preis für Biochemie und Biophysik.

Canada Gairdner Awards 

Die Canada Gairdner Awards würdigen seit 1957 herausragende Forschende, deren wissenschaftliche Beitr?ge das Verst?ndnis der menschlichen Biologie und von Krankheiten vertieft haben und dazu beigetragen haben, menschliches Leid zu lindern. Die Stiftung hat ihren Sitz in Toronto, Kanada. Das Preisgeld betr?gt 250'000 kanadische Dollar (entspricht 143'000 Schweizer Franken) für jede:n der Canada Gairdner International Award-Gewinner:in. Der Preis gilt als einer der renommiertesten Wissenschaftspreise weltweit. Rund ein Viertel der damit geehrten Forscherinnen und Forscher erhielten sp?ter auch einen Nobelpreis.  

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