Neue Chips gegen Deepfakes
KI-generierte Bilder und Videos gef?hrden demokratische Prozesse und untergraben das Vertrauen in der Gesellschaft. Forschende der ETH Zürich haben nun eine Chip-Technologie entwickelt, die es erm?glicht, die Authentizit?t von Sensordaten wie Bildern und Videos überprüfbar zu machen.??
In Kürze??
- ETH-Forschende haben ein Sensorsystem entwickelt, das produzierte Daten direkt im Chip f?lschungssicher signiert und das unbemerkte F?lschen von Daten praktisch verunm?glicht.
- Werden die Signaturen in ein ?ffentliches Register (z.B. eine Blockchain) hochgeladen, k?nnen alle die Authentizit?t von Videos und anderen Daten überprüfen.
- Die Technologie l?sst sich grunds?tzlich in jede Art von Sensor oder Kamera integrieren. So liessen sich manipulierte Inhalte auf Online-Plattformen mit wenig Aufwand erkennen.
Künstliche Intelligenz (KI) macht es heute erschreckend einfach, Fotos, Videos und Tonaufnahmen zu manipulieren. Ob gef?lschte Statements von Politiker:innen oder irreführende Bilder aus Krisengebieten – soziale Medien und Online-Plattformen sind bereits voll von sogenannten Deepfakes. Die Folgen für Gesellschaft und Demokratie sind gravierend: Immer mehr Menschen lassen sich von solchen F?lschungen t?uschen oder beginnen, selbst glaubwürdigen Quellen zu misstrauen.
Forschende der ETH Zürich haben deshalb eine neue Sensortechnologie entwickelt, die genau hier ansetzt. Die Idee: Daten, Bilder oder Audiosignale werden direkt bei der Entstehung in einem Sensorchip kryptografisch signiert. Dank dieser Signatur l?sst sich nachweisen, dass die Daten tats?chlich von einer Kamera oder einem Aufnahmeger?t stammen, wann sie aufgenommen wurden und dass keine Manipulationen vorgenommen wurden. ?Wenn Daten bereits bei ihrer Erstellung signiert werden, hinterl?sst jede sp?tere Manipulation Spuren?, erkl?rt Fernando Cardes. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Biosystems Engineering von Andreas Hierlemann im Department für Biosysteme (BSSE) in Basel und hat die Technologie mitentwickelt. ?Um Daten zu manipulieren, müsste der Chip physisch angegriffen werden – ein technischer Aufwand, der so hoch w?re, dass die massenhafte Herstellung manipulierter Inhalte für Social-Media-Plattformen praktisch verunm?glicht wird.?
Einfache Verifikation dank ?ffentlichem Register
Die im Sensor erzeugten Signaturen k?nnten von den Kameraherstellern in einem für alle zug?nglichen, unver?nderbaren Register (z.B. einer Blockchain) gespeichert werden. So liesse sich jederzeit unabh?ngig prüfen, ob die vorliegenden Daten echt sind: Jede Person kann die Signatur des Chips im Register mit den Originaldaten abgleichen und so deren Herkunft best?tigen. ?Damit spielt es kaum noch eine Rolle, ob eine an der Verarbeitung und ?bertragung der Daten beteiligte Person oder Technologie vertrauenswürdig ist?, erkl?rt Felix Franke, der den Chip an der ETH Zürich mitentwickelt hat und inzwischen Professor an der Universit?t Basel ist. ?Das Vertrauen in digitale Inhalte schwindet. Wir wollten eine Technologie entwickeln, mit der die Menschen überprüfen k?nnen, ob etwas echt ist?, fügt er an.
Die Technologie l?sst sich grunds?tzlich in jede Art von Sensor oder Kamera integrieren. Social-Media-Plattformen k?nnten künftig bereits beim Hochladen automatisch prüfen, ob Inhalte echt sind. Und wo dies nicht passiert, k?nnten Journalist:innen, Forschende oder Beh?rden die Echtheit mit einfachen Tools selbst verifizieren.
Gefahr von Deepfakes frühzeitig erkannt
Die Idee für die Sensorchips entstand als Nebenprojekt am Bio Engineering Laboratory der ETH Zürich. Dort besch?ftigte man sich schon lange bevor KI-Systeme wie ChatGPT die ?ffentliche Diskussion dominierten mit der Entwicklung hochsensibler Sensoren zum Messen elektrischer Signale lebender Zellen. Die interdisziplin?re Gruppe verfügte auch über das n?tige Know-how, um zus?tzliche kryptografische Funktionen direkt in Sensorchips zu integrieren. ?Die Gefahr durch Deepfakes war absehbar?, erinnert sich Franke. Bereits 2017 sei daher der Plan entstanden, einen Sensor zu entwickeln, dessen Daten sich nicht unbemerkt manipulieren lassen.
Der im publizierten Paper vorgestellte Chip ist ein funktionierender Prototyp und demonstriert die technische Machbarkeit. Für den kommerziellen Einsatz sind noch weitere Schritte n?tig. Die Forschenden sind dennoch überzeugt, dass er sich mit heutigen technologischen Voraussetzungen und Verfahren zu einem funktionierenden und marktf?higen Produkt weiterentwickeln l?sst. Entsprechend haben sie einen Patentantrag eingereicht. ?Wir untersuchen derzeit, wie man den Aufwand für Kamera- und Sensorhersteller senken kann, wenn sie die neue Technologie in ihre Chips integrieren wollen?, sagt Cardes.
Die Arbeit wurde vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) im Rahmen der SwissChips-Initiative finanziell unterstützt.
Literaturhinweis
Cardes F, Bürgel S, Yuan X, Yu Q, Rubino A, Lee J, Bounik R, Viswam V, Hierlemann H, Franke F: In-sensor cryptographic signature generation for linking a physical process and an immutable digital entity. Nature Electronics, 24. M?rz 2026, DOI: externe Seite 10.1038/s41928-026-01593-5
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